14.11.1994: Eröffnungsrede zur Ausstellung

(agr) Guten Abend meine Damen und Herren,
zur Eröffnung der Ausstellung „Grüße aus dem Landkreis Dillingen“ darf ich Sie recht herzlich begrüßen und für Ihr Kommen und Interesse danken. Der erste Versuch einer Postkartenausstellung im Vorjahr war mit großer Besucherzahl überaus erfolgreich, die Nachfrage nach einer weiteren Ausstellung in der durchgeführten Art sehr groß. So hat sich der Kulturmarkt Lauingen dazu entschlossen, das Thema dieser Ausstellung auf das Kreisgebiet Dillingen auszuweiten.
Dank der alten Städtetradition entlang der Donau und wichtigen, geschichtlichen Ereignissen, wie vor allem die Schlacht bei Blindheim, sind von Teilen des Kreisgebietes und darüber hinaus eine enorme Anzahl von Landkarten erstellt worden, die den Betrachtern nicht nur die üblichen Dinge der Kartographie sondern auch Stadt- und Ortssilhouetten, Schlachtengebiete mit Heeresstellungen und -lagern zeigt. Auch heute noch ist es interessant zu vergleichen, wo früher inzwischen abgegangene Ortschaften waren, wie sich die Straßenführungen verändert haben und die Fluss- und Bachläufe begradigt wurden. Aus der Vielzahl der Karten werden daher im Rahmen dieser Ausstellung einige ausgewählte Werke gezeigt, welche in die Thematik „Landkreis Dillingen“ einführen sollen.
Beginnend mit der Buchdruckerei, mit der Druckmöglichkeit von Abbildungen per Kupfer- oder Holzstich in Schriftwerken aller Art war es ja der große Wunsch der Städte wie deren Bürger, ihren Heimatort bildlich dargestellt zu sehen. Gerade von den an der Donau gelegenen Städten existiert ja eine große Anzahl von reizvollen Stadtansichten, die in den letzten fünf Jahrhunderten entstanden sind. Im Laufe der Zeit war es nicht mehr genug, solche Abbildungen in Büchern oder teilweise auf Einzeldrucken abgebildet zu sehen, denn die Bürger wie auch die ersten Reisenden hatten natürlich den Wunsch, den Daheimgebliebenen, den Freunden und Bekannten die gesehenen Stätten wenigstens im Bild mitzubringen und zu zeigen.
Als sich der Postverkehr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter entwickelte, die Leute immer mehr des Schreibens kundig wurden, begann ab 1865 die Entwicklung der Postkarte, damals „Brief des kleinen Mannes“ genannt. Die erste Bildpostkarte aus dem Jahr 1870, zunächst nur mit einem kleinen Klischee bedruckt, war der Vorläufer für eine große, nun nachfolgende Entwicklung zur Ansichtskarte, die ja im weiten Sinne ein zu erwerbendes Erzeugnis der Gebrauchsgrafik ist. Die Drucktechniken für Steindrucke und Lithografien wurden einfacher, schneller und preiswerter,  es wurden die ersten reinen Ansichtskarten mit Orts- und Detailansichten hergestellt.
Nach der Erfindung und der weiteren Verbesserung der Fotografie, der vereinfachten hiermit zusammenhängenden Drucktechnik, konnten Ansichtskarten in vielen Serien und mit tausenden von Motiven hergestellt werden. Das Werden einer fotografischen Bildpostkarte hat in der Ausstellung Berücksichtigung gefunden. Anhand einiger Exemplare wird gezeigt, wie eigentlich die sogenannten „Bilderbuch- oder Postkartenmotive“ zustande gekommen sind.
Ein ausgewähltes Motiv wurde mehrfach fotografiert, der beste Abzug überabreitet. Durch Überkleben wurde der Postkartenrand bzw. der Bildausschnitt festgelegt, je nach Anforderung Straßenbeleuchtung, Stromleitungen, parkende Fahrzeuge oder andere im Bild störende Dinge durch Retuschen beseitigt oder einfach übermalt, selbst die Wolkenstimmung, Gebäudekonturen oder -anstriche wurden auf diese Weise beeinflusst. Von den auf diese Weise abgeänderten und geschönten Abzügen wurden wieder Negative erstellt, die dann für eine Ansichtskartenproduktion geeignet waren. Mit den ersten Karten wurden von den Verlagen Vorlagealben wie in der Vitrine zu sehen, oder aber Vorlagekarten angelegt, wie sie an den Ausstellungswänden zu besichtigen sind. Hier sind die Produktionsdaten vermerkt wie Foto- bzw. Druckdatum, Auflagenhöhen und Bestelladressen, was natürlich für einen Heimatkundler, Historiker oder Städteplaner in heutiger Zeit eine kulturgeschichtliche Fundgrube ist.
Die reizvollen alten Städte- und Ortsbilder im Landkreis, die alten Bauwerke, mögen das nun architektonische Pracht- und Kunstbauten oder nur einfache, in ihrer Einfachheit aber liebenswerte Häuser gewesen sein, auch die vielen alten Tore und Türme, die schönen alten Kirchen, die Lage der Städte an der Donau haben schon frühzeitig für eine Vielzahl von Ansichtskarten gesorgt. Ob Gesamtansichten aus jeder Himmelsrichtung oder aus der Luft, ob Teilansichten mit den schönsten oder wichtigsten Ortsansichten, alles wurde immer wieder verbessert aufgelegt. So gibt es gerade für die größeren Städte die Möglichkeit, einzelne Veränderungen des Stadt- oder Straßenbildes nachzuweisen. Nicht zu vergessen sind besonders für die kleineren Orte Ansichtskarten mit verschiedenen Einzelbildern, die zu Reklamezwecken mit der „Handlung, Warengeschäft oder Gasthaus“ ergänzt worden sind.
Obwohl die Orte des Landkreises Dillingen weitgehend von größeren Zerstörungen verschont geblieben sind, brachten die Jahre des wirtschaftlichen Aufschwunges schwerwiegende Eingriffe in den Baubestand der Orte. Sie sollen ja nicht nur eine zufällige Ansammlung von Häusern sein, sondern auf das Erhalten des charakteristischen Erscheinungsbildes bedacht sein. Beim Betrachten der Karten in der Ausstellung werden sie Bauten entdecken, die im heutigen Ortsbild vermisst oder aber wesentlich verändert vorgefunden werden. So soll sie die Ausstellung in alte Zeiten und Erinnerung versetzen.
Abschließend darf ich mich bei Herrn Johann Spengler, einem Lauinger - heute wohnhaft in Hildrizhausen - bedanken, der sich mit einigen Karten an der Ausstellung beteiligt hat, ebenso bei Herrn Gänswurger, einem Hobby-Schnitzer, der sich dieser Veranstaltung angeschlossen hat und seine Sammlung von handgeschnitzten „Wappen unserer Heimat“ zeigt. Bei der Ausstellungsbesichtigung, einem Rundgang durch den Landkreis Dillingen, wünsche ich Ihnen nun viel Vergnügen, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit, vielen Dank.