14.04.2014: Platz für einheimische Kunst

(pvn) Bis 27. April stellen sieben Lauinger im Rathaus-Foyer ihre Werke aus

Der Auwaldsee mit Tönen, die ins Blau gehen, eine aquarellistische Stadtansicht von Lauingen, plastisches Triptychon der Küste Maltas, eine Heidelandschaft, das römische Kolosseum, ein Blick in griechische Gassen - all das steht und hängt nebeneinander. Danica Damnjanovic, Wolfgang Ferner, Adelinde Güntner, Ludwig Lenzer, Jana Thomas, Erwin Weiss und Heinrich Weyers - diese sieben Namen stehen noch bis 27. April für die vielfältigen Ausdrucksformen, Farben und Motive der darstellenden Kunst. Die sieben Künstlerinnen und Künstler stellen auf Einladung des Lauinger Kulturmarktes derzeit im Rathaus-Foyer aus; passend zum erwarteten großen Besucherzustrom durch das weltgrößte Osternest auf dem Marktplatz der Herzogstadt. Am vergangenen Freitagabend eröffneten Kulturmarkt-Vorsitzender Anton Grotz und Bürgermeister Wolfgang Schenk gemeinsam die Ausstellung, zu der sich noch ein Ausschnitt über österliches Brauchtum in verschiedenen Jahrhunderten des Sammlers Gerhard Burkard aus Unterthürheim gesellt.
Seit 22 Jahren vermittelt der Kulturmarkt nun schon Kunst, ist so zum wichtigen Partner im Kulturleben LauingensHYPERLINK "http://www.augsburger-allgemeine.de/orte/lauingen/"  geworden. Anton Grotz nannte die Schau „sehr gelungen“ und fügte an, dass sich Details erst beim intensiven Betrachten erschließen.
Wolfgang Schenk dankte dem Kulturmarkt für seine Initiative, den ausstellenden Künstlern und der Bläsergruppe der Stadtkapelle Lauingen unter Ingrid Philipp für die musikalische Gestaltung der Stunde. Er lobte das Bemühen des Kulturmarktes, einheimischen Künstlern ein Podium und einen Rahmen zu verschaffen.
Die Ausstellung ist am Freitag, 18., Samstag, 19., Sonntag, 20., Montag, 21., Samstag, 26. und Sonntag, 27. April, jeweils von 14 bis 18 Uhr zu sehen; ansonsten während der üblichen Dienstzeiten im Rathaus.

(Fotos: Peter von Neubeck)
17.05.2014: Lebensweisheiten in schwäbischen Gedichten

(gw) Erinnerungen durch dialektgefärbte Texte bei der Lesung mit Musik im Rathausfestsaal

Ein Lauinger Ehrenbürger, ein Namensgeber für die örtliche Mittelschule und ein Kesseltaler Bauernsohn standen bei der samstagnachmittäglichen Dichterlesung im Mittelpunkt. Die Hoffnung von Kulturmarktvorsitzendem Anton Grotz auf erfrischende Erinnerungen durch dialektgefärbte, gereimte literarische Texte erfüllte sich aufs Schönste. Authentisch Reinhard Eberhardt, der Sohn des Zoltinger Heimatdichters Michel Eberhardt; beziehungsreich Gerhard Winkler, der als Lauinger Nachbar Hermann-Josef Seitz schätzte; wesensverwandt Studiendirektor Gerhard Schmidt aus Laugna mit Affinität zum königlichen Seminarlehrer Hyazinth Wäckerle alias Joseph Fischer. Alle drei Vortragenden skizzierten den Lebenslauf ihrer Verseschmiede und ordneten die Texte bestimmten Ereignissen zu. „Gau, stau, bleiba lau“ war das Motto des 1836 in Ziemetshausen geborenen und 1896 in Lauingen begrabenen Wäckerle.
Vortrefflich seine Landsleute charakterisiert
Dank seines Pseudonyms konnte J. Fischer unbeschwert seine humorvollen Gedichte veröffentlichen, mit denen er vortrefflich seine Landsleute charakterisierte. Trotz eines möglichen „Durcheinanders“ in der Schreibweise plädierte Wäckerle für das schwäbische Idiom, mit dem er intensiver die echte oder gedachte Wirklichkeit ausdrücken konnte. „Hei, grüaß di Gott. Ländle“, die „schwäbische „Nationalhymne“, das „Guckerle“ im Haus des Schätzles, die Tatzen des Schuladjutanten, Witwe und alte Jungfer, „Geld auf Geld“, “Muckatanz“, „Vergiss-meinnicht“ oder die engelsgleiche Nacht waren Beispiele für die Sprachkraft Wäckerles. G. Schmidts sängerisches und rezitatorisches Talent brachte die Paarreime eindrucksvoll zur Geltung. Lehrer und Schauspieler Gerhard Winkler las aus einem Büchlein, das Hermann-Josef Seitz (1902-1995) seiner geliebten Gattin Mini am 85. Geburtstag gewidmet hat.
Aus Anlass der diamantenen Hochzeit („Mei liabs Mädle“) machte sich H-J. Seitz Gedanken zur Psychologie der Ehe, die er ironisch als zweimal Dreißigjähriger Krieg bezeichnete. Viele schwäbische Sprüche waren Sentenzen aus seiner reichen Erlebniswelt („Lieber dumm und a Glück“). In „Blühenden Gärten“ oder im „Korafeld“ kennzeichnet der langjährige Kreisheimatpfleger die Schönheit der Natur, die es zu bewahren gilt. Ein Simplicissimusbild regte Seitz zu einem Friedensappell in Prosa an. In der ihm eigenen hintersinnigen Sprechweise verdeutlichte Winkler die Vorstellungen des ehemaligen Berufsschuldirektors.
Nur 63 Jahre alt wurde der 1976 verstorbene Michel Eberhardt aus Zoltingen. Sein Sohn Reinhard konnte die Verbundenheit des Autors zum Kesseltal, die gesellschaftlichen Veränderungen, das Leben im Wandel der Jahreszeiten, Freud und Leid im menschlichen Dasein mit Nachdruck schildern. Zeitlos gültige Antworten formuliert Eberhardt, die er oft an den Schluss seiner Betrachtungen stellt. Die Maienzeit sieht er deshalb im Kontext zum Sommer und Herbst, Johanni wird zum Lebenskulminationspunkt, die Kinderzeit als Wunderwelt apostrophiert. Michel Eberhardt preist die Einsamkeit und Stille des Kesseltals abseits vom Fabriklärm, bringt fein austarierte Liebesgedichte und wertet die bäuerliche Feststellung „Der Fuhrmann bist du selbst“ als Quintessenz und Lebensmotto. Umrahmt wurden die Lesungen durch die Beiträge des Landsberger Zitherduos. Uwe Schmid und Gerhard Seidenspinner spielten wohlklingende eigenarrangierte Tänze.

(Foto: Gernot Walter)
24.05.2014: Von der Landesausstellung und von der Regensburger Altstadt beeindruckt
(agr) Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ die Bayerische Landesausstellung „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser“ auf die 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kulturmarktes Lauingen e.V., die in Regensburg an drei Orten präsentiert wird in der Minoritenkirche St. Salvator, in der Dompfarrkirche St. Ulrich und im Domkreuzgang. Zum Programm gehörte auch ein Rundgang durch die Altstadt von Regensburg, die seit 2006 zum UNESCO-Welterbe zählt.
Die Landesausstellung nimmt den Herzog von Oberbayern, Ludwig IV., in den Blick, der vor 700 Jahren zum römisch-deutschen König gewählt worden ist und der auch Stadtherr von Lauingen war. Seine Karriere beeindruckt auch noch heute.
In der Schlacht von Gammelsdorf (Lkr. Freising) im Jahre 1313 schlug Ludwig das Heer seines Vetters, des Habsburgers Friedrich, ebenso in der Schlacht von Mühldorf (1322), auf die ausgestellte Waffenteile verweisen. Letztere gehört zu den markanten Daten der bayerisch-österreichischen Geschichtsschreibung. Nach dem Waffengang von Mühldorf musste Ludwig aus finanzieller Notlage den niederbayerischen Herzogen, die mit einem großen Truppenkontingent mitgekämpft hatten, unter anderem auch die Stadt Lauingen verpfänden. Nachdem die Herrschaft im Lande gefestigt war, machte Ludwig den Schritt in die europäische Politik. Sein Ziel war die Kaiserkrone, die er 1328 auch erhielt, sowie der Einfluss in Italien, wo er Reichsrechte beanspruchte. Der Papst, der zu dieser Zeit in Avignon residierte, belegte Ludwig, der sich mit Papstgegnern verbündet hatte, mit dem Kirchenbann. Er nannte Ludwig herablassend nur den „Ludovicus bavarus" Ludwig den Bayern. Ludwig versuchte nun seine Herrschaft zu festigen und auszubauen. Hierzu zählt der Hausvertrag von Pavia aus dem Jahre 1329 und auch die gleichfalls ausgestellte Niederschrift des „Oberbayerischen Landrechts" von 1346. Ein neuer Feind entstand Ludwig schließlich in König Karl von Böhmen, dem späteren Kaiser Karl IV. Vor der Entscheidungsschlacht ereilte Ludwig bei Fürstenfeldbruck im Jahre 1347 der Tod. Für sein Seelenheil hat er mit reichen Stiftungen, darunter auch das Kloster Ettal, vorgesorgt.
Altstadt ist UNESCO-Welterbe
Der Rundgang durch die Altstadt begann an der ehem. Klosterkirche St. Emmeram, die heute Pfarrkirche aber auch noch Hauskirche der Fürsten von Thurn und Taxis ist. Das Innere beeindruckt besonders durch den Stuck und die Fresken der Brüder Cosmas und Egid Quirin Asam, die im Zuge der prachtvollen Neugestaltung im Stile des Spätbarocks in den Jahren 1731-1733 entstanden sind. Im Erscheinungsbild der Altstadt wurden, so Georg Wörishofer, während des Rundgangs, die Geschlechtertürme auffallen, von denen es noch 20 gibt und deren höchster, der Goldene Turm, noch neun Geschosse zählt. Der Dom mit seinen beiden 105 m hohen Türmen würde wesentlich das Stadtbild prägen. In der Krypta des Domes St. Peter lasen die Mitglieder der Reisegruppe auch den Namen des Lauingers Albertus Magnus, der von 1260-62 Bischof von Regensburg war. Das einstige Nordtor des römischen Legionslagers, die Porta Praetoria, ist noch gut erhalten. Die 330 m lange steinerne Brücke, die gegenwärtig tiefgreifend saniert wird, wurde in den Jahren 1135-1146 erbaut. Regensburg besaß das Salzmonopol für die Opferpfalz. An diese Zeit erinnert noch der Salzstadel. Im Alten Rathaus tagte der Immerwährende Reichstag von 1663-1806.
Georg Wörishofer dankte abschließend dem 1. Vorsitzenden des Kulturmarktes Lauingen e.V., Anton Grotz, für seine vielfaltige Vereinsarbeit, die einen wichtigen Beitrag zur Kultur vor Ort und darüber hinaus leiste. Anton Grotz erwiderte den Dank an Georg Wörishofer, der diesen Tag durch seine kompetente Führung wieder zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat.
Bei der Eröffnung der Lauinger Kunstausstellung (von rechts): Kulturmarkt-Vorsitzender Anton Grotz, Jana Thomas, Adelinde Güntner, Heinrich Weyers, Danica Damnjanovic, Ludwig Lenzer, Wolfgang Ferner, Erwin Weiss und Bürgermeister Wolfgang Schenk
Heinrich Weyers: Griechenland
Gerhard Winkler, Reinhard Eberhardt und Gerhard Schmidt (von links) trugen im Rathausfestsaal schwäbische Gedichte vor.